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24. Jul. 2013

Minderjährige Flüchtlinge

Die Betreuung und Unterstützung unbegleitet nach Deutschland gekommener, minderjähriger Flüchtlinge (umF) aus Kriegs- und Krisengebie­ten in Af­rika, Süda­sien (Afgha­nistan, Irak) und dem indischen Subkontinent stellt für die Jugendheimstätten eine besondere Herausforderung dar.

 

Zur Situation unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge in den Herkunftsländern

Krieg, Verfolgung, Hunger, Mord, Zwangsrekrutierung, Vergewaltigung, Folter und der Verlust der An­gehöri­gen vertreiben Kinder und Jugendliche oft aus ihrer Heimat. Sie sind durch die Erlebnisse dort und auf der Flucht trau­matisiert. Unter Umständen haben sie nie ein Leben in Sicherheit und „Normali­tät“, mit regelmäßi­gem Schulbesuch und ohne wirtschaftliche Not, erlebt. Sie fliehen vor Per­spek­tivlosigkeit oder wegen der völligen Zerstörung ihrer Lebensgrundla­ge. Laut EU-Innenkom­missarin Cecilia Malmström handelt es sich „bei den Minderjährigen, die alleine an unsere Grenzen kommen, […] um die am stärksten exponierten und gefährde­ten Mit­glieder unserer Ge­sell­schaft.“

 

Hoffnungen in die neue Heimat

Sie er­hoffen sich in Deutsch­land eine Perspektive für ihre Zukunft, Frie­den, Si­cherheit und Schutz vor Ver­folgung. Auf ihrer Ver­trei­bung und Flucht stranden sie ohne elterlichen Schutz an den Gren­zen Europas, dies ma­cht ei­nen schwierigen und umfassenden Neubeginn fern der Heimat, in einer völlig fremden Kul­tur notwendig. Oft bieten wir erstmals die Ge­borgenheit eines Zuhauses.

 

Zur Dauerhaftigkeit des Phänomens

Der Zustrom der umF ist kein vor­übergehendes Phä­nomen und es wird eher noch zunehmen. Wir sehen hier eher eine bleibende Auf­gabe. Die Anzahl der Herkunftslän­der wird wahrscheinlich eben­falls noch zuneh­men; so werden z.B. zunehmend auch unbegleitete minderjäh­rige Flücht­linge aus Osteu­ropa erwartet. Arbeit mit umF ent­wickelt sich also immer mehr zu ei­nem neu­en und wichtigen Aufgaben­feld der Kinder- und Jugend­hilfe.

 

Spannungsfeld dieses sozialpädagogischen Neulands: Sozialpädagogische Betreuung und Förde­rung und juristische Begleitung und Beratung – der Nohlsche Begriff der Anwaltschaft erhält hier aktuelle und umfassendere Bedeutung.

Dies stellt an Träger und Einrichtun­gen er­höhte und zum Teil neue Anforderun­gen an die sozialpäda­go­gische Be­treuung die­ser Zielgrup­pe. Pädagogi­sches Handeln be­wegt sich hier jedoch zwischen zwei Fron­ten: Auf der einen Seite ste­hen die An­sprüche der Sozialpä­dagogik: Ver­trauen herzustellen, Lern­gelegenheiten zur sozialen Aus­ein­ander­set­zung zu geben, In­tegra­tion zu fördern und Zu­kunfts­- und Lebensperspektiven aufzubau­en. Auf der anderen Seite ste­hen die Rege­lungen des Ausländer- und Asyl­rechts, die bei dieser Ziel­grup­pe das Erreichen der ge­nannten päda­gogischen Ziele sehr erschwe­ren. Die rechtliche Situation von umF ist ge­kennzeichnet durch das Zu­sammenwirken unterschiedli­cher Rechtsgebiete, deren Zielsetzun­gen sich im Span­nungsfeld zwi­schen Kinderschutz und Abwehr von Einwanderung bewe­gen. Den nationalen und in­ternationalen Gesetzen und Abkommen zum Schutz von unbegleiteten minderjäh­rigen Flücht­lingen steht das deutsche Asyl- und Auslän­der­recht gegen­über, das vorwie­gend ordnungsrechtliche Interessen beinhaltet. Einschränkungen der Schutz­rechte von unbegleite­ten, wie begleiteten minderjährigen Flüchtlingen ergeben sich vor allem aus der Hand­lungsfähigkeit Minderjähriger im Asylverfahren nach Paragraph 12 Absatz 1 Asylverfahrens­gesetz (AsylVfG). Danach sind Minder­jäh­rige, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, nach diesem Gesetz asyl­rechtlich erwachsen, das heißt sie müssen ihr Asyl­verfahren selbst be­treiben, während unter 16-jäh­rige unbegleitete min­derjährige Flüchtlinge für dessen Durch­führung einen gesetzlichen Vertreter brauchen. Diese Rege­lung hat in der pädagogischen Pra­xis weit­reichen­de Folgen für unbe­gleitete minderjährige Flücht­linge, weil sie von vielen Behörden als eine umfassen­de Handlungsfähig­keit in­terpretiert wird. Das heißt, 16- bis 18-jährige umF können auch außerhalb des Asyl­verfah­rens wie Erwachsene behandelt werden und zu­dem von Kinder- und Ju­gendhilfemaßnahmen ausge­schlossen werden. Das Jugendamt der Stadt Du­isburg geht diesen Weg nicht. Aber allein durch die aufenthalts­rechtli­che Stellung von unbegleite­ten min­derjährigen Flücht­lingen ist in der Regel ihr Le­ben von gro­ßen Unsicherheiten geprägt. In den meisten Fällen erhalten umF nur eine Duldung nach §§ 55, 56 Ausländer­gesetz (AuslG). Eine Duldung stellt jedoch kei­nen rechtmä­ßigen Auf­enthalt dar, sondern ist nur die vorüber­gehende Aus­setzung der Abschiebung. Die aktuelle Rechtslage in der Bundesrepublik wird der Problemlage, die sich aus der Flucht von allein­stehenden Kindern und Ju­gendlichen ergibt, nicht gerecht. Durch die drohende Abschiebung sind viele junge Flüchtlinge zudem immer wieder mit ihrer Vergan­genheit, und somit auch mit ihren traumatischen Erfahrungen der Reinszenierung erleb­ter Inhalte kon­fron­tiert. Ein Gefühl der Sicher­heit kann sich dadurch nicht ein­stellen. Dem Bedürfnis von trau­matisierten umF nach einer sicheren, unterstützenden Umge­bung kann so nicht ausreichend Rech­nung getragen werden. In die­sem Zusammenhang ist vor allem der unsichere Auf­enthaltsstatus der meisten unbegleiteten min­derjäh­rigen Flüchtlinge zu nen­nen, wo­durch diese Kin­der und Jugend­li­chen in ständiger Unsicherheit und realer Angst vor der Ab­schie­bung leben. Konse­quente, erfolgrei­che Betreuungsarbeit kann letzt­lich jedoch nur auf Basis eines gesicher­ten Bleiberechts, zu­min­dest bis zur Volljährigkeit der umF, stattfinden. Das gleiche gilt für die thera­peutische Be­handlung von umF, denn trauma­tische Erfah­rungen können nur unter der Vorausset­zung eines Gefühls von Sicherheit und Distanz zum Erleb­ten verarbeitet wer­den.

 

Die Jugendheimstätten Niederrhein e.V. in diesem neuen Feld der Kinder- und Jugendhilfe

Im Jugendwohnheim Zeppelin­str. 2 in 47053 Duisburg zeigen wir Wege und Möglichkeiten in auf und unter­stützen die umF in der großen Aufgabe, sich in einem neuen und völlig unbekannten Land und in einer fremden Kultur zu integrieren. Ne­ben unserem multiprofes­sionell zu­sammen­gesetzten päda­go­gi­schen und therapeuti­schen Team ar­beitet eine juristisch ge­schulte Afgha­nin mit den umF. Das Team unserer Einrichtung verfügt über langjährige, interkulturelle Er­fahrungen und Kom­peten­zen.

 

Betreuungsinhalte: Unsere Arbeit umfasst …

  • Erlernen bzw. Förderung der sprachlichen und schriftlichen Kompetenz in neuen Heimat,
  • Stärkung und Mobilisierung der persönlichen Fähigkeiten,
  • Emotionale Stabilisierung,
  • Strukturierung des Alltags und Vermittlung von Alltagskompetenzen,
  • Anleitung zur eigenständigen Lebensgestaltung,
  • empathische und unterstützende Beziehungsangebote,
  • ressourcen- und lösungsorientierte Pädagogik und Therapie,
  • Einzel- und Gruppenarbeit,
  • Reflexion und Austausch der biographischen und der neuen Erfah­run­gen,
  • Lebenshilfe in der eigenen und der fremden Kultur,
  • Partizipation aller Jugendlichen,
  • Zusammenarbeit mit externen Fachkräften,
  • Rückzugsmöglichkeit, Geborgenheit und Privatsphäre,
  • Begleitung und Unterstützung im Asylverfahren.

 

Unsere Zielsetzungen:

  • die Förderung allgemeiner sozialer Kompetenzen und die Förderung emotionaler Ausdrucks­fä­higkeit,
  • die Förderung eines ganzheitlichen Gesundheitsbewusstseins,
  • eine bewusste Gestaltung eines verbindlichen Alltags,
  • eine intensive Hausaufgabenbetreuung und schulische Begleitung und Förderung,
  • die persönliche und berufliche Förderung und Integration in Gesellschaft und ein Berufs­feld,
  • die kulturelle Integration,
  • eine selbstbestimmte, sozial verantwortliche und zukunftsorientierte Lebensführung,
  • die Enttraumatisierung individueller posttraumatischer Belastungsstörungen,
  • eine planvolle, aktive Freizeitgestaltung,
  • die Verselbstständigung und Vorbereitung auf die eigene Wohnung,
  • die Begleitung und Unterstützung im eigenverantwortlichen Leben im SozialBetreuten Woh­nen und ambulanten Settings,
  • die juristische Unterstützung bei Kontakten zu den Ausländerbehörden und den Gerichten.

Wir leisten diese Soziale Arbeit im Rahmen des § 27 i.V.m. § 34 SGB VIII.

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